Die inneren Landschaften der Trauer

Eine Reise zu dir selbst

Trauer ist nicht nur ein Gefühl. Sie ist ein Raum, ein Ort – manchmal still und leer, manchmal überwältigend und unwegsam. Wer trauert, bewegt sich durch innere Landschaften, die so vielfältig sind wie das Leben selbst.

Vielleicht befindest du dich gerade in der Wüste der Einsamkeit. Dort, wo kein Trost ankommt und alles wie erstarrt scheint. Oder du stehst im dichten Nebel des Nicht-Verstehens – suchend, tastend, ohne klare Richtung.

Doch es gibt auch das Feld der Stille, wo du zum ersten Mal wieder atmest. Die Berge der Erinnerung, in dem du Geschichten findest, die dich tragen. Und manchmal führt dich das Haus der Sehnsucht direkt in deine Erinnerungen.

Jede dieser Landschaften gehört zur Trauer. Keine ist falsch, keine zu viel. Sie fordern nichts von dir – außer, dass du sie betrittst, in deinem Tempo.

Dieser Beitrag lädt dich ein, deine eigenen inneren Orte zu erkunden. Mit Neugier, Sanftheit und vielleicht sogar mit etwas Staunen. Denn inmitten all der Dunkelheit liegt oft ein zarter Same – aus dem eines Tages neues Leben wachsen kann.

🏞️ Was sind innere Landschaften?

Wenn wir trauern, verändert sich nicht nur unsere äußere Welt – auch unsere innere Welt verschiebt sich. In der Begleitung sprechen wir oft von inneren Landschaften, um diese seelischen Zustände begreifbarer zu machen.

Diese Bilder helfen, dem Unfassbaren Form zu geben:

  • Vielleicht gleicht dein Inneres gerade einer Wüste – leer, heiß, flirrend.
  • Oder einem dichten Wald – verwirrend, dunkel, mit kaum sichtbaren Wegen.

Diese inneren Orte sind keine Fantasie – sie sind Erfahrungsräume, die deine Gefühle, Gedanken und körperlichen Zustände ausdrücken. Indem wir sie benennen, erforschen und achtsam betreten, kann Trauer beginnen, sich zu wandeln.


🧭 Einladung zur inneren Reise

Die Arbeit mit inneren Landschaften ist eine Einladung um deiner Trauer einen Raum zu geben, sie nicht wegzuschieben, sondern zu beobachten.

Eine Reise zu deiner inneren Landschaft muss kein Ziel erreichen – du darfst warten (und vielleicht auch gespannt sein), welche Bilder auftauchen, ob du in deinem Körper etwas wahrnehmen kannst und ob Gefühle verknüpft sind.

Vielleicht sitzt du am Rand eines Sees der Stille.
Vielleicht stehst du in einem windgepeitschten Gebirge der Erinnerung.
Vielleicht stolperst du durch ein Feld der Verwirrung.

Egal, was sich zeigt – alles hat seine Berechtigung.


🌿 Kleine Übung: Deine innere Landkarte

Nimm dir ein paar Minuten Zeit – einen stillen Moment nur für dich.

Setz dich bequem hin, schließe die Augen und atme einige Male tief ein und aus.

Stell dir vor, dein Inneres ist eine Landschaft. Lass die Bilder ganz von selbst entstehen – sei offen und neugierig.

Was zeigt sich vor deinem inneren Auge?
Ein dichter Wald oder eine weite Wüste?
Ein ruhiger See oder ein offener Ozean?
Ein Haus, ein Weg, ein Berg?

Wie fühlt sich dieser Ort an?
Still, wild, leer, lebendig?
Ist da Licht oder Schatten? Welche Tageszeit herrscht?

Gibt es etwas, das du brauchst, um dich dort sicher zu fühlen?
Vielleicht kannst du dir auch Unterstützung vorstellen – in Form eines Tieres, eines Gegenstands oder einer vertrauten Präsenz.

Dieser Ort ist dein Trauerort. Du darfst ihn so gestalten, wie es sich für dich gut anfühlt.
Gibt es eine Möglichkeit, dass du dich dort wohlfühlst?
Was müsste da sein, damit du gerne dorthin zurückkehren würdest?

Gehe nur so weit, wie es sich für dich stimmig anfühlt.

Wenn du die Reise beenden möchtest:
Öffne langsam die Augen.
Schau dich im Raum um – was siehst du, was spürst du, was riechst du?
Bewege dich leicht, dehne dich ein wenig, verbinde dich wieder bewusst mit deinem Körper.

Wenn du magst, kannst du deine Landschaft aufschreiben oder zeichnen – ganz intuitiv.


Diese Übung kann ein Einstieg sein, um regelmäßig mit dir selbst in Kontakt zu treten – sie sanft zu dir selbst.


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