Eine Erinnerung an deine Trauerarbeit
Kannst du dir das vorstellen:
Es gibt eine Zeit, in der der Tod nicht als furchteinflößender Sensenmann erschien, sondern als weibliche Figur – als Übergangswesen, als Hebamme zwischen den Welten.
Lange bevor der Tod in der westlichen Welt vermännlicht und mit Angst besetzt wurde, galt er in vielen Kulturen als weiblich:
🌿nährend, durchlässig, weise 🌿
Ein Ende – ja – aber auch ein Durchgang, eine Rückkehr und vor allem eine Begleitung.
In alten Mythologien war die Schwelle zwischen Leben und Tod ein natürlicher Teil des Kreislaufs – nicht das abrupte Ende, sondern eine Wandlung.
🌑 Vielleicht hast du schon davon gehört:
Göttinnen wie
- Hel (nordische Mythologie)
- Persephone (griechisch) oder
- Ereshkigal (sumerisch)
hüteten die Unterwelt, nicht als Strafe, sondern als Ort der Rückverbindung, Stille, Sammlung. Der Tod wurde nicht verdrängt, im Gegenteil: er war Teil des Lebens, des Alltags und auch der Gesellschaft.
Weiblich. Dunkel. Umsorgend. Wild. Weisend.
🖋️ Was würde sich verändern, wenn wir diese ursprüngliche Vorstellung wieder mit in unsere heutige Trauerarbeit nehmen?
In der heutigen Trauer begegnet uns oft die Erwartung, „schnell wieder zu funktionieren“. Die Zeiträume sind eng, das Aushalten der Dunkelheit wird selten begleitet – warum auch, wir wollen doch alle positiv sein.
Doch in der Rückbesinnung auf das Weibliche im Tod liegt eine Kraft:
- Durchlässig sein, statt Widerstand zu leisten
Das weibliche Prinzip ist das Empfangende, wir fühlen intuitiv – Trauer, Ohnmacht, Schuld, Wut – nichts davon ist falsch, es ist Teil des Prozesses. - Halten statt Beschleunigen
Trauer braucht Raum, Zeit und Geduld. Eine natürliche Geburt kann nicht beschleunigt werden, die Natur bestimmt das Tempo, genauso ist es beim Loslassen. Auch Wehen kommen in Wellen – wie die Trauer. - Zyklen statt Geradeausdenken
Die Trauer ist nicht linear. Es ist ein Kommen und Gehen, ein Erinnern und Ruhen. Auch nach Monaten oder Jahren können und dürfen noch Tränen kommen und Wellen des Vermissens.
Der weibliche Tod lehrt uns: Trauer darf spiralförmig sein.
🌑 Die Nacht als Verbündete
In vielen alten Bildern war die Nacht nicht nur dunkel – sie war der Ort der Rückkehr. Wenn wir Trauernde begleiten, dürfen wir sie nicht „aus der Dunkelheit holen“ – sondern mit ihnen darin atmen, lauschen, leben.
Der weibliche Tod geht mit. Leise. Barfuß. Hand in Hand.
✨ Impuls für deine eigene Trauerreise
Kannst du dir eine weibliche Figur vorstellen, die deine Trauer sieht?
- Sie kann alt oder jung sein, vielleicht ist sie alterslos
- Sie ist eng mit der Natur verbunden und hat keine Angst vor den Zyklen des Lebens
- Trägt sie eine bestimmte Kleidung? Vielleicht einen schützenden Mantel? Einen kleinen Beutel, wo du deine Erinnerungen sicher abgeben kannst?
- Steht sie neben dir? Begleitet sie dich? Sitzt ihr zusammen an einen See?
Gehe nur soweit, wie es sich für dich richtig anfühlt, du kannst jederzeit in das Hier und Jetzt wieder zurück kommen – es ist deine innere Vorstellungskraft.
🌙 Abschließende Gedanken
Indem wir den Tod wieder als weiblichen Teil des Lebens begreifen, würdigen wir auch unsere Trauer neu:
nicht als Schwäche, sondern als tiefes menschliches Erleben.
Die Rückverbindung mit alten Bildern, mit Mythen, mit der zyklischen Natur des Lebens, kann helfen, die eigene Geschichte einzuordnen. Sanfter. Ehrlicher. Ganz.
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