Pfotenabdrücke im Sand

Wenn das geliebte Tier geht

Warum die Trauer um ein Tier uns so tief trifft – und was jetzt hilft

Der Moment, in dem ein geliebtes Tier stirbt oder vermisst wird, ist oft wort- und bodenlos. Plötzlich klafft dieses große, schwarze Loch – mit einer Leere und Stille, die bis in unser Innerstes dringt.

Die plötzlich so leise Wohnung erdrückt, keine freudige Begrüßung an der Haustüre, kein Schnurren um die Beine, niemand der auf sein Futter wartet, kein Klackern der Krallen auf den Boden, kein beruhigendes Quieken und Zwitschern mehr.

Wenn ein Tier stirbt oder weggelaufen ist, ist die Welt plötzlich eine andere. Es fehlt ein Mittelpunkt unseres Alltages, unseres Zuhauses und unseres Herzens.


☔️Wir stehen mitten in unserer zerbrochenen Welt, wissen nicht wohin mit all der Trauer und oft werden wir doch missverstanden…

„Es war doch nur ein Hund.“
„Hol dir doch ein neues Haustier.“
„Du übertreibst ein bisschen, findest du nicht?“

Solche Sätze tun weh, wir haben ja schließlich jeden Tag mit ihnen verbracht, waren bei Krankheiten bei ihnen, haben sie gepflegt und was am wichtigsten ist:

Wir haben unsere Tiere geliebt. Bedingungslos. Jede Sekunde.


🔍Warum wird Tiertrauer oft nicht anerkannt?

Was können wir aus den oben getroffenen Aussagen erkennen? Die Trauer um Tiere wird oft klein geredet – vor allem im beruflichen Kontext kann oft wenig Verständnis gezeigt werden, falls du nach dem Tod des Tieres eine Auszeit brauchst. Tiertrauer steht in keinem offiziellen Rahmen.

Die Autorin und Traumatherapeutin Frau Dr. Eva Dempewolf hat diesen Umstand als eindrücklichen Beginn für ihr Buch „Abschied nehmen – Trauer um ein geliebtes Tier“ [2015. Verlag: Fred & Otto] hergenommen.

Im Vorwort schildert sie einen scheinbar unscheinbaren Moment:

Eine Frau erzählt von ihrem schmerzhaften Verlust ihres Lebensgefährten. Als sie später nebenbei erwähnt, dass dieser Lebensgefährte auf vier Pfoten durch das Leben ging, ändert sich die Stimmung in der Gruppe der Trauernden schlagartig in Ablehnung. Die Frau verlässt aufgrund der unverständlichen Reaktion der anderen Gruppenmitglieder schnellstmöglich die Gruppe. Für einige Menschen ist der Schmerz um ein Tier kaum erklärbar und doch ist er so real, tief und alles verändernd.


🌱Verbundenheit zwischen Mensch und Tier

Seit jeher besteht zwischen Tieren und Menschen eine Bindung – und diese geht meist sehr tief:

  • Sie ist frei ist von Bewertung – egal wie wir aussehen und was wir tun, wir werden geliebt
  • Sie ist ehrlich – auch wenn wir noch so mürrisch sind, unser Tier ist immer bei uns
  • Sie stehen uns bei – wenn unser Leben bricht, sind sie treu bei uns.
    Egal, wie schlimm unser Tag war, welches Schicksal uns erreicht hat: sie bieten uns einen Alltag, eine Gewohnheit, Präsenz und lenken uns aus tiefen Gedankenschleifen ab.

💛 Wenn die Leere einzieht

Unsere Umgebung ist seit dem Verlust anders, unsere Routinen brechen weg:

  • Da ist kein Gassi gehen mehr,
  • kein Futternapf,
  • kein vertrautes Rascheln,
  • kein leichtes Gewicht auf dem Bett – nur noch Stille und Leere.

Auch wenn du es jetzt vielleicht noch nicht sehen kannst – der leere Futternapf, das Lieblingsspielzeug… all das schmerzt, aber es hält und trägt uns. Wir können:

  • uns an etwas klammern,
  • einen Beweis finden, dass unser Tier da war,
  • Erinnerungsstücke aufbewahren.

💫Trauer ist Trauer

Trauer tut weh und der Schmerz ist real.
Es gibt kein „zu viel“ an Trauer, keinen „richtigen“ oder „falschen“ Verlust.


✨Kleine Hilfestellungen für die große Leere

  • 🕯️ Individuelle Gedenkkerzen gestalten
  • 🐾 Spielsachen an den Lieblingsplatz legen
  • 🖼️ Fotos aufstellen (wenn es nicht zu schmerzhaft ist)
  • 📝 Erinnerungszettel schreiben, was DEIN Tier so besonders gemacht hat und die Angst „etwas zu vergessen“ mildern
  • 💌 Brief an dein Seelentier schreiben – erzähle, wie du dich fühlst, was alles anders ist, was du vermisst…
  • 🎁 Erinnerungsbox basteln für alle wichtigen Erinnerungsstücke
  • 🗣️ Rede darüber – auch wenn Tränen fließen
  • 📌Hilfe suchen – du kannst dich gerne bei mir melden

🌿 Liebe endet nicht mit dem Tod – sie verwandelt sich – gib ihr Zeit und Raum dafür. 🌿


🎨Buntes Wortgemälde

In Anlehnung an eine Übung nach Frau Dr. Eva Dempewolf aus ihrem Buch „Abschied nehmen – Trauer um ein geliebtes Tier“ [S. 99. 2015. Verlag: Fred & Otto]

Diese Übung kann man alleine oder als Familie gestalten, vor allem kann das Projekt auf lange Zeit als Erinnerungsstück gestaltet werden! Neugierig?

  • 📖 Zuerst benötigt man einen Papierbogen oder Leinwand, Farben, Malstifte, Kleber und Schere. Es können auch Perlen oder Moosgummiformen verwendet werden.
  • 🖌️ Schreibe dir eine Liste mit
    • Eigenschafen, die das Tier ausgezeichnet haben
    • Macken, die vielleicht auch mal genervt haben
    • Ereignisse wie Ausflüge oder Urlaube
  • 🖼️ Jetzt wird es kreativ: schneide Bilder oder Buchstaben aus Zeitschriften, male oder klebe eine Collage, die für dich ein Bild voller schöner Momente ergibt. Verwende gerne bunte Farben, damit die Collage dir in schweren Stunden vielleicht ein Lächeln schenken darf.

⚖️Deine Erlaubnis zu trauern:

Wenn dein Tier gegangen ist, dann darfst du trauern.
Du darfst dich selbst halten – in dieser Trauer, die Ausdruck von Liebe ist.


🐾 Ein kleiner Lichtblick zum Schluss

Die Autorin Frau Dr. Eva Dempewolf schreibt am Ende ihres Buches „Abschied nehmen – Trauer um ein geliebtes Tier“ [2015. Verlag: Fred & Otto] einen – wie ich finde – sehr wichtigen Satz:

„Es geht vielmehr darum, den Verstorbenen als einen inneren Begleiter zu integrieren und in die künftige Lebensgestaltung einzubeziehen.“ [Dempewolf, 2015, S.193]

Wir werden unser Tier nicht mehr sehen, hören und auch nicht mehr berühren können.

Aber es hat uns berührt, tief in unserem Herzen und unserer Seele, das wird uns immer begleiten.

Vielleicht rückt der Schmerz irgendwann ein wenig in den Hintergrund und wir können Dankbarkeit und Liebe für die so kostbare Zeit empfinden, die uns mit eben genau diesem einen Tier geschenkt wurde.

Trauer bedeutet nicht, loszulassen.
Wir lernen neu mit der Liebe zu leben.

Dein Tier ist gegangen – und doch bleibt es in deiner Erinnerung, in deinem Herzen – für immer.


🐾 Kleiner Exkurs

Manche Menschen spüren nach einiger Zeit das Bedürfnis, wieder einem Tier ein Zuhause zu geben – nicht als Ersatz, sondern als liebevolle Weiterführung dieser tiefen Verbindung. Wenn dieser Moment für dich kommt, dann schau dich gern in einem Tierheim in deiner Nähe um. Dort warten viele Seelen – oft mit trauriger Geschichte – auf jemanden, der sieht, was in ihnen steckt.

Ein neues Tier wird deinen Verlust nicht ersetzen aber es kann dein Herz erneut berühren – vielleicht gerade weil du schon einmal so tief geliebt hast. 🐾

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