Umgang mit aufdringlichen Bildern und belastenden Erinnerungen
🤐 Das unausgesprochene Problem
Die letzten Augenblicke – die letzten Sekunden, die sich zu sehr in dein inneres Auge eingeprägt haben. Sie flackern regelmäßig in unserer Erinnerung auf und wir fühlen einen Stich im Herzen.
Manchmal sind sie schmerzhaft, chaotisch, erschreckend und oft fühlen wir die gleichen Gefühle wie damals.
Die Erinnerung an die letzten Momente mit dem geliebten Lebewesen überschatten die Erinnerungen an die gesamte Zeit vorher.
🧐 Warum unser Gehirn so reagiert
Unser Gehirn ist unglaublich komplex und vielschichtig. Der Moment des Todes oder eines Verlustes lösen starke und teils heftige Emotionen wie Angst, Wut oder Starre aus. Das suggeriert unserem Gehirn Gefahr – es schaltet also in den Überlebensmechanismus.
Unser Gehirn will uns schützen, deshalb werden Gefahrensituationen stärker gespeichert als Momente der Liebe oder Geborgenheit – das ist Neurobiologie und soll dich und dein System schützen.
❗️Was diese Bilder NICHT bedeuten
Diese Bilder und Erinnerungen sind nicht die ganze Geschichte – sie sagen nichts über die Beziehung aus und sie geben kein Urteil über den Menschen oder den Abschied ab.
Sie sind nur ein Moment.
Der Tod ist unfassbar und surreal, daher
- betont unser Inneres diese letzte Szene besonders, da das Erlebte nicht verarbeitet werden kann.
- versteht unser Inneres in diesem Moment nicht, dass der Tod keine Bedrohung für uns selbst war, sondern ein Übergang für ein Lebewesen.
Wir dürfen lernen, diese unverarbeitete Energie anzunehmen und in unser System zu integrieren.
🩺 Wie man heilsam damit umgehen kann
Sanfte, machbare Ansätze:
- Den Fokus erweitern
- Die Erinnerung taucht auf und lass sie einfach sein
- Schau die Erinnerung von außen als Beobachter an
- Vielleicht kannst du sagen: „Ja, das war ein Teil. Davor gab es ein ganzes Leben.“
- Ein sicherer Ort in deinem Herzen
- Wenn die Erinnerung, das Bild, auftaucht, laufen die damals empfundenen Gefühle automatisch (meist unbewusst) ab
- Entscheide dich bewusst, dein Nervensystem zu regulieren: Atme tief ein und länger aus. Wiederhole den Vorgang ein paar Mal und kehre zu deinem normalen Atemrhytmus zurück.
- Visualisiere dabei einen goldenen Raum in deinem Herzen, einen inneren Garten, einen sicheren Ort und entscheide dich bewusst für eine schöne Erinnerung. Ergänze die traumatische Erinnerung durch eine liebevolle Empfindung.
- Die Szene verkleinern
- Rahme dir innerlich das letzte, schmerzhafte Bild ein – halte den Bilderrahmen in den Händen – dadurch gehst du in deine Kraft
- Stelle das Bild beispielsweise zur Seite, gehe ein Stück weg, schenke ihm ein liebevolles Lächeln, nehme andere Erinnerungsbilder dazu.
- Gegenritual
- In der Trauer und auch im Prozess des Heilens ist es möglich sich Lieblingserinnerungen zu schaffen. Ankere diese besonderen und positiven Erinnerungen und Empfindungen durch Fotos, eine Kerze, eine Kette, ein Anhänger…berühre sie und versichere dir selbst, dass das keine Einbildung war.
✨Abschließende Worte
Auch schmerzhafte Bilder sind ein Teil von dir – genau wie die schönen, warmen und liebevollen Erinnerungen. Beide Seiten gehören dir und du darfst entscheiden, wohin deine Aufmerksamkeit fließen darf.
Irgendwann verlieren diese negativen Bilder ihre Macht – nicht sofort, nicht plötzlich, aber nach und nach.
Sie werden eingerahmt von all dem Guten, das vorher war:
Der Liebe, der gemeinsamen Geschichte und den Erinnerungen.
Trauer heißt nicht, die schlimmen Bilder zu vergessen.
Trauer heißt, ihnen ihren Platz zu geben —
damit sie nicht mehr die ganze Erinnerung überdecken.
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