TRAUER – VERLUST – LEBENSUMBRÜCHE
Was, wenn da kein Licht mehr ist?
Über die Erlaubnis in der Dunkelheit zu sein und warum das hilfreich sein kann.
„Mach es wie die Sonnenuhr,
zähl die heit’ren Stunden nur“
Vielleicht kennst du diese Lebensweisheit:
Konzentriere dich auf das Schöne und Glückliche im Leben. Ähnlich wie die Sonnenuhr, sollen dunkle oder schwere Stunden gar nicht gezählt oder gesehen werden.
Auch in der Trauer oder in stürmischen Zeiten versuchen wir uns selbst an der Hand hochzuziehen, wir wollen leben und nach vorne schauen. Wir wollen das Vergangene ehren und wahren. Nur was, wenn da einfach kein Licht ist?
Am Beispiel der Natur:
Wachstum und Heilung in der Dunkelheit
Ja zur Dunkelheit
Die dunkle Phase ist wichtig, um die neue Realität zu begreifen und verarbeiten zu können. Unser Gehirn und unsere Seele durchlaufen einen notwendigen Prozess, das braucht Zeit.
Wurzeln schlagen
Verborgen und in seinem eigenen Tempo schlägt ein Samenkorn unter der Erde seine Wurzeln, entzieht der Erde Nährstoffe und wandert an die Oberfläche. Monatelang geschieht für die Augen nichts – und doch, irgendwann, entsteht ein neues Fudament.
Rhythmus finden
Niemand kann sagen, wann man genug in der Dunkelheit war und niemand hat ein Recht dazu, ein Urteil zu fällen. Wir Menschen sind, wie die Natur, zyklische Lebewesen.
Angst vor dem Licht:
Wenn Gefühlen drohen an die Oberfläche zu gelangen.
In dem Stadium der Trauer sind wir meist betäubt, geschockt, von der Welt abgetrennt. Früher oder später gesellen sich andere Gefühle dazu – oder überennen uns förmlich. Neben der Wut, kann da auch Bitterkeit, Einsamkeit und Sinnlosigkeit auftauchen.
Wir stehen bereits in den Trümmern und versuchen uns selbst irgendwie zu managen,
damit wir unser Gesicht nicht verlieren.
Meist tauchen unbewusst Fragen auf, wie
– „Wofür mach‘ ich das eigentlich?“
– „Lohnt sich das überhaupt noch?“
– „Warum soll ich jetzt weiter machen?“
Wir haben nicht nur ein geliebtes Lebewesen oder einen wichtigen Lebensinhalt verloren,
sondern auch einen Teil unserer Identität:
– Wir können uns nicht mehr spiegeln und uns fehlt Bestätigung
– der Verlust von Struktur und Alltag wirft alles übereinander
– unsere Lebensgeschichte ist nicht mehr sicher.
Kleiner Exkurs zur Wut
Unsere Wut schreit, dass uns etwas Schlimmes passiert ist und wir um unsere geplante Zukunft betrogen wurden.
Gleichzeitig schützt sie uns vor der tiefen Hilflosigkeit in uns.
Genau wie die Trauer, ist die Wut ein sehr wichtiges Gefühl, das empfunden werden darf – auch körperlich: in Kissen boxen oder schreien, Papier zerreißen…alles raus lassen.
Nur bitte sei vorsichtig:
Wut ist nicht dazu bestimmt, sich gegen dich selbst oder andere zu richten.
Wut ist ein Gefühl, keine Waffe.
DEINE ERLAUBNIS
Ja, du darfst in der Dunkelheit sein und
ja, da darf auch erst einmal kein Licht sein.
Dein Leben wurde zetrümmert und dir bleiben gerade nur die Scherben.
Du darfst sowas von enttäuscht und wütend sein, verzweifelt und taub.
Du darfst aufhören, gegen das zu kämpfen, was ohnehin schon da ist.
Name it to tame it
Benenne, was du zähmen willst –
lass deine Worte eine Art Scheinwerfer sein:
- Deine Gefühle:
- Ich fühle Angst / Wut, weil…
- Ich fühle nichts…
- Was du verloren hast:
- Mein Partner *Name* ist gestorben
- Ich habe so hart gearbeitet für…
- Den Ist-Zustand annehmen:
- Es ist so schwer!
- Ich habe Promleme mit…
Wurzeln stärken
Körperbewusstsein
Wenn alles im Chaos versinkt, hilft Struktur – auch wenn sie klein ist:
- regelmäßig trinken
- Kleinigkeiten essen
- Duschen
- Nachts schlafen
Gönne deinem Gehirn und deiner Seele kleine Auszeiten, wie:
- Spazieren
- Serien schauen
- Atemübungen
- Malen oder Kritzeln

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